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Chronik 1998 - Die Deutsche Messe von Fridolin Dallinger

Das Vereinsjahr 1998 ging schon fast dem Ende zu – und brachte plötzlich noch fast schlaflose Nächte für den Chorleiter. Grund dafür war die Messe am 8. Dezember.

 

Juni – ein großes Kuvert

Fritz Gangl erhielt mit der Post ein großes Kuvert. Absender: Professor Fridolin Dallinger aus Eferding, Musikprofessor und anerkannter Komponist. Inhalt: eine „Deutsche Messe für Männerchor“ – Worte von Hans Dieter Mairinger, Musik von Fridolin Dallinger.

Dazu ein handgeschriebener Zettel, datiert 29. Juni 1998: „Lieber Sangesbruder! Vielleicht finden beiliegende Werke bei der Sängerrunde Verwendung. Mit besten Grüßen, F. Dallinger.“

Die Noten wurden versuchsweise am Klavier gespielt, als geeignet für den Gottesdienst am 8. Dezember befunden und im Hinblick auf das Herbstkonzert vorläufig beiseitegelegt.

20. Oktober – ein Brieflein nach Eferding

„Es ist ja beileibe nicht selbstverständlich, dass ein Genie wie Prof. Dallinger einem unbedeutenden Männerchor eine Komposition anbietet“, schreibt die Chronistin. Also ging ein Dankesbrief nach Eferding – mit der Ankündigung, dass die Messe am 8. Dezember zur Aufführung gelange.

„Das Brieflein war natürlich einerseits ein Gebot der Höflichkeit, andererseits aber bodenloser Leichtsinn.“

5. Dezember – der Anruf

Der vielbeschäftigte Musiker hatte am Samstag davor scheinbar nichts Wichtigeres zu tun, als im Telefonbuch die Nummer von Fritz Gangl herauszusuchen und sein Kommen anzukündigen. „Das halten die stärksten Chorleiternerven nicht aus“ – noch dazu, wo bei dieser Messe Eingangs- und Schlusslied wegen „Nichtgefallen“ gestrichen worden waren.

Als Strohhalm blieb dem genervten Chorleiter nur ein Rundruf bei den Sängern, ganz verlässlich und ganz pünktlich zum Gottesdienst zu erscheinen. Er hatte bereits eine Eingabe an die höchste kirchliche Behörde vorbereitet, den Feiertag von „Maria Empfängnis“ in „Erscheinung des Herrn“ umzutaufen – da machte der Wettergott die Straßenlage winterlich unsicher, und 90 Minuten vor der Messe kam der erlösende Anruf: „Komme nicht! Meine Frau ist krank.“

„Vielleicht nur eine faule Ausrede“, notiert die Chronistin, „aber man hörte den berühmten Stein von Gangls Herz direkt fallen!“

8. Dezember – und ein Nachspiel

Die „Deutsche Messe für Männerchor“ wurde auch ohne Anwesenheit des Komponisten zur Zufriedenheit aufgeführt.

Ein Jahr später besprach die Fachzeitschrift „Chor Aktuell“ das Werk: der Chorsatz weise kaum Schwierigkeiten auf und sei „in seiner schlichten Klanglichkeit durchaus reizvoll und berührend“; wünschenswert wäre eine Fassung für gemischten Chor. Die Chronistin hat den letzten Satz unterstrichen und mit einem Pfeil danebengeschrieben: „NAJA …“