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Chronik 1960 - Das Grenzland-Sängertreffen mit Fahnenweihe

Das Fest, das der Chronist am Ende „das gelungenste Vereinsfest von St. Marienkirchen“ nennt, begann mit einem Beschluss nach Mitternacht und endete mit einem Reingewinn von 7.172 Schilling.

 

Frühjahr – der Beschluss

„Schon im Frühjahr wurde in mitternächtlicher Stunde von den ausübenden Mitgliedern der Ankauf der Fahne beschlossen. Fast jeder Sänger zeichnete für einen namhaften Betrag. Viele Spender schlossen sich an, und als der Festtag herannahte, waren die Finanzen so gesichert, dass es nicht mehr schiefgehen konnte.“

„Jeder Sänger half bei den Vorbereitungsarbeiten fleißig mit, an der Spitze Obmann Karl Mayr, der mit seinem ‚170er-Mercedes-Ochsen‘ alles herbeiholte, was gebraucht wurde.“

18. September – der Vormittag

„Der Sommer war heuer vollkommen verregnet, und es bestanden schlechte Aussichten auf schönes Wetter. Aber am 18. September 1960 konnten die St. Marienkirchner Sänger bei strahlender Sonne 10 bayerische und 13 auswärtige österreichische Gesangsvereine vor dem schmucken neuen Gemeindehaus in St. Marienkirchen mit ihrem Motto begrüßen.“

Aus Bayern

Aus Österreich

Sängerbund „Alt-Neuburg“ mit Musikkapelle

Liedertafel Sierninghofen-Neuzeug

Chor- und Orchestervereinigung Waldkirchen, Niederbayern

Liedertafel Mauerkirchen

Gesangsverein Harmonie Vilshofen, Niederbayern

Liedertafel Weilbach

Gesangsverein Pocking, Niederbayern

Männergesangsverein Obernberg

Gesangsverein Harmonie Pleinting, Niederbayern

Männergesangsverein St. Martin

Männergesangsverein Holzkirchen, Niederbayern

Gesangsverein Widerhall Schärding

Gesangsverein Ortenburg, Niederbayern

Liedertafel Polling

Sängerrunde Mittich, Niederbayern

Liedertafel St. Florian am Inn

Männergesangsverein Oberiglbach, Niederbayern

Gesangsverein Taufkirchen an der Pram

Sängerrunde Sulzbach, Niederbayern

Männergesangsverein Antiesenhofen

 

Männergesangsverein Frankenburg

 

Männergesangsverein Suben

 

Männergesangsverein Lambrechten

„Begleitet von der bayrischen Musikkapelle Alt-Neuburg und von der Ortsmusikkapelle St. Marienkirchen bewegte sich nun ein bunter Kirchenzug durch das Spalier der Gemeindebevölkerung zum neuen Pfarrgebäude, vor dem der Festgottesdienst und der Festakt – die Fahnenweihe – stattfanden.“

Alle anwesenden Sänger sangen unter der Leitung von Gauchormeister Josef Schönecker die Deutsche Messe von Michael Haydn. Ortspfarrer, geistlicher Rat Josef Vösenhuber weihte die neue Fahne und betonte in seiner Ansprache „die Bedeutung der Liedpflege für die Freizeitgestaltung des modernen Menschen“. Vier Mädchen hatten die Fahne zur Weihe getragen.

Fahnenmutter und Fahnenpatin

Im Namen des Vereines dankte Chorleiter Gangl allen Spendern und allen, die zum Gelingen beigetragen hatten – besonders Ökonomierat Josef Wagner, der den Ehrenschutz übernommen hatte, der Fahnenmutter Maria Daller-Machtlinger, die ein Fahnenband im Werte von 1500 Schilling spendete, und der Fahnenpatin Hermine Reinthaler, die eines im Werte von 700 Schilling spendete.

Der Obmann des Inngaues, Hauptschuldirektor Kastner, und der geschäftsführende Präsident des oberösterreichisch-salzburgischen Sängerbundes, Dr. Strassl, hoben „die Wahrung des alten Volksgutes durch die Volksliedpflege und die Volkschöre“ hervor und lobten die Zusammenarbeit der St. Marienkirchner Bevölkerung.

Der Nachmittag

„Während der Mittagszeit verteilten sich die Vereine auf die beiden Gasthäuser. Hier wurde bis zum Beginn des nachmittägigen Festzuges gesungen und musiziert.“

„An der Spitze des Festzuges, an dem sich an die 700 Sänger und Sängerinnen beteiligten, marschierte unser Fähnrich Ernst Reinthaler mit der neuen Fahne.“ Anschließend boten die bayerischen und österreichischen Chöre auf der im Dallerhof aufgeschlagenen Chorbühne ein Konzert, „das von den zahlreichen Zuhörern mit Begeisterung aufgenommen wurde“. Über eine Lautsprecheranlage wurde dieses „Freundschaftssingen“ in das ganze Dorf übertragen.

Wer das Fest gemacht hat

Aufgabe

Name

Anmerkung

Festobmann

Julius Hackl

„Mit Geschick und Takt leitete er den reibungslosen Verlauf des Festes.“

Schriftführer

Hans Lenzenweger

meisterte den umfangreichen Schriftverkehr

Kassier

Rudolf Schwarz

übernahm am Festtag das Geld für 1200 verkaufte Festabzeichen zu je 6 Schilling

Podiumsarchitekt

Franz Biereder

baute mit Gehilfen die Bühne

Fotograf

Josef Radlwimmer

machte „die herrlichen Farbbilder“

Lautsprecheranlage

Herr Zaglmaier

 

„Abschließend sei erwähnt, dass dieses Sängerfest wohl als das gelungenste Vereinsfest von St. Marienkirchen bezeichnet werden kann und dass der Verein bei diesem Fest einen Reingewinn von 7.172,– Schilling aufzuweisen hatte.“

Wer 1960 welches Amt hatte

Die zwei maschingeschriebenen Spendenlisten am Ende des Bandes tragen in blauer Tinte handschriftliche Randbemerkungen, die zu zwölf Namen das Vereinsamt nennen. Sie sind die einzige Stelle im Band, an der die Ämterverteilung dieses Jahres vollständig ablesbar ist.

Amt

Name

Ehrenschutz

Ökonomierat Josef Wagner, Andiesen

Obmann

Karl Mayr

Obmann-Stellvertreter

Franz Demmelbauer-Ebner, Buch

Ehrenobmann

Jakob Bachmayer

Chorleiter

Fritz Gangl

Chorleiter-Stellvertreter

Alois Moritz, Andiesen

Schriftführer

Johannes Lenzenweger

Kassier

Rudolf Schwarz, Andiesen

Festobmann

Julius Hackl

Fahnenmutter

Maria Daller-Machtlinger, St. Marienkirchen

Fahnenpatin

Hermine Reinthaler, Andiesen

Bürgermeister

Franz Biereder sen.

Es ist eine Randnotiz, keine Wahl: die Liste nennt kein Datum und keinen Beschluss. Die Spendenbeträge selbst und die übrigen rund neunzig Namen der beiden Listen stehen nicht auf dieser Seite.