Eine Wand mit den Jahreszahlen von 1947 bis 2026 und dem Schriftzug „Chronik“

Chronik 1965

Was im Vereinsjahr geschehen ist — Monat für Monat.

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8. Jänner 1965 - Generalversammlung

Die Versammlung war „gut besucht“ und verlief ruhig. „Alle Sänger verpflichteten sich neuerdings für aktive Probenarbeit.“

Was dann folgte, fasst der Chronist in einem Halbsatz zusammen: „… folgten zwei Trauerfälle.“

13. Jänner 1965 - Abschied von Elisabeth Burgstaller

„Am 13. Jänner begleiteten wir das unterstützende Mitglied Frau Elisabeth Burgstaller zu Grabe und sangen am offenen Grabe den Chor ‚Über den Sternen‘.“

„Wie meistens bei Begräbnissen an Werktagen waren wir auch diesmal nur 12 Sänger.“

17. Jänner 1965 - Der Tod des Ehrenobmannes Jakob Bachmaier

„Am 17. Jänner 1965 starb unser Ehrenobmann, Herr Jakob Bachmaier nach langem und schwerem Leiden im 82. Lebensjahre.“

Jakob Bachmaier war Gründungsmitglied von 1948, Obmann-Stellvertreter der ersten Stunde, von 1951 bis 1954 Obmann und seither Ehrenobmann. „Jeder Einzelne des Vereines gab sich alle Mühe, daß wir unseren ältesten und treuesten Sänger würdig beerdigen konnten.“

Am 19. Jänner um halb acht Uhr abends versammelten sich die Sänger „beinahe vollzählig zum Gebete in der Kirche“. Um acht folgte „die Probe für die Trauerchöre und ein stilles Gedenken für den verstorbenen Ehrenobmann“; Chorleiter Gangl führte in einer kurzen Ansprache seine Verdienste an.

Am Tag des Begräbnisses widmete die Sängerrunde ihm einen Kranz und sang vor dem Trauerhaus Beethovens „Hymne an die Nacht“. Am offenen Grab sprach zuerst Gauchormeister Hauptschuldirektor Josef Schönecker, dann legte Obmann Mayr den Kranz nieder, und zuletzt sang die Runde mit verstärktem Männerchor – Abordnungen aus Suben, Taufkirchen und St. Florian hatten sich beteiligt – den „Schottischen Bardenchor“ von Silcher. „Auch ließ der Verein für den verstorbenen Ehrenobmann eine heilige Messe lesen.“

„Drei Feuerwehren und viele Trauergäste nahmen am Begräbnis teil. Unser Herr Bachmaier hätte sich das bestimmt nicht festlicher vorstellen können und hat sich sicher mit uns und über unsere Anteilnahme und über unseren Beitrag zu seiner Beisetzung gefreut.“

Und dann, als eigene Zeile: „Die Erde möge ihm leicht werden.“

Der Präsident des Oberösterreichisch-Salzburgischen Sängerbundes, Dr. Karl Straßl, schrieb dem Verein am 19. Jänner aus Vöcklabruck: „Möge das Werk, das Ihr Ehrenobmann begonnen hat, in der Sängerrunde St. Marienkirchen weiterleben.“ Ein Zeitungsbericht über den Abschied klebt im Band. Er erinnert daran, dass Jakob Bachmaier „im Jahre 1960 der Ehrenbrief des Oesterreichischen Sängerbundes verliehen“ worden.

28. Februar 1965 - Sängermaskenball am Faschingsonntag

„Der Faschingsonntag gehört nach wie vor der Sängerrunde.“

„Heuer, am 28. Februar, war der Sängermaskenball wieder sehr gut besucht. Auch die Stimmung war dem Tag entsprechend. Da auch der Kartenvorverkauf sehr intensiv betrieben wurde, war der finanzielle Erfolg auch sehr gut.“

„Die Einführung, den Ball mit einem Chor zu eröffnen, bewährte sich sehr gut.“

3. April 1965 - Kellerausheben beim Archivar Julius Hackl

„Am 3. April, einem Samstag, half ein Teil der Sänger beim Kellerausheben unseres Archivars Julius Hackl mit. Da auch in der Landwirtschaft zu diesem Zeitpunkt viele wichtige Arbeiten anfielen, war die Beteiligung nicht überragend.“

Vier Fotos im Band zeigen den Vormittag: Männer mit Schaufeln in der ausgehobenen Grube, ein Pferd vor dem Kipper, im Hintergrund der Kirchturm.

Die Folgerung daraus ist ein Vereinsbeschluss: den Keller des Sangesbruders Karl Demmelbauer-Ebner „von einem Bagger ausheben zu lassen und dazu einen Unkostenbeitrag von S 50,– von den einzelnen aktiven Sängern einzuheben“. Ob der Bagger dann wirklich kam, sagt der Band nicht.

16. Mai 1965 - Das Frühlingskonzert mit den Schott-Schrammeln

„Am 16. Mai veranstalteten wir im Dallersaal ein Frühlingskonzert mit den Schott-Schrammeln aus Ried. Das Programm, durch das Herr Johann Strauß aus Ried führte, war ausgezeichnet.“

Die gedruckte Einladung liegt im Band. Sie nennt als Mitwirkende die Sängerrunde mit „Klavier: Frau Leopoldine Hochreiter“, „die berühmten Schott-Schrammeln aus Ried im Innkreis“ und die verbindenden Worte von Johann Strauß; Beginn acht Uhr abends, Unkostenbeitrag zehn Schilling.

Über den Besuch aber schreibt der Chronist: „Der Besuch ließ aber sehr zu wünschen übrig. Wären nicht Abordnungen aus Taufkirchen, Suben und Reichersberg gekommen, wäre der Saal nur ¾ voll gewesen. Ein trauriges Zeichen!“

Auf der nächsten Seite des Bandes klebt ein Zeitungsausschnitt über denselben Abend, und der sagt das Gegenteil: das Konzert sei „ein voller Erfolg“ gewesen, die Männerchöre hätten „bei den zahlreich erschienenen Publikum großen Beifall“ geerntet. Wer recht hat, ist nicht zu entscheiden – beide Texte stehen im selben Band, eingeklebt von derselben Hand.

Den Chronisten ließ die Sache nicht los: „Es wäre zu überlegen, wie man die einheimische Bevölkerung wieder für die Arbeit der Sängerrunde interessieren könnte. Vielleicht durch einen neuen Chorleiter?“ Und darunter, in Klammern der eigene Name: „Ich (Chorleiter Gangl) denke da an Herrn Lehrer Straif!“

Es blieb bei der Überlegung. Friedrich Gangl leitete den Chor auch in den folgenden Jahren; ein Beschluss darüber steht in keinem Band.

28. Mai 1965 - Ständchen für die „Maister Marie“

„Am 28. Mai sangen wir für die Großmutter zweier Sangesbrüder (Daller Walter u. Josef), für Frau ‚Maister Marie‘ – Maier Maria zum 81. Geburtstag ein Ständchen und bereiteten damit viel Freude.“

30. Mai 1965 - Die Hundertjahrfeier des Sängerbundes in Linz

„Am 30. Mai beteiligten wir uns mit 21 aktiven Sängern in Tracht und mit Fahne an der Hundertjahrfeier des o. ö.-salzb. Sängerbundes. Beim Festzug fielen wir durch unsere einheitliche Tracht auf.“

„Auch beteiligten wir uns am Ständchen für die beiden Landeshauptleute (Dr. Gleißner u. Dr. Lechner) im Arkadenhof. War ein gelungenes Fest.“

Wie genau der Tag geplant war, zeigt die maschingeschriebene „Aufstellung des Festzuges“, die im Band liegt: Sonderzug mit Ankunft am Linzer Bahnhof um 9.05 Uhr, Fahneneinzug in den Alten Dom um 9.45 Uhr, Abmarsch des Festzuges um 11.15 Uhr – „polizeil. festgelegt!“ –, zwanzig Gruppen in fester Reihenfolge, der Inngau als siebzehnte. Am Ende der Marschroute schwenkten „alle Sängerinnen und Sänger“ in den Arkadenhof des Landhauses ein.

Ein Farbfoto im Band zeigt den Zug am Linzer Hauptplatz: vorn der Fahnenträger mit dem Vereinsschild, dahinter die Sänger in Tracht.

4. Juli 1965 - Die Hochzeit von Monika Daller in Taufkirchen

„Am 4. Juli wurden wir zur Hochzeit unserer Herbergskellnerin Monika Daller nach Taufkirchen geladen. Wir sangen in der Kirche die Schubertmesse u. e. Trauungschor und im Gasthaus Stadler vor der Hochzeitstafel Gratulationschöre. Chorleiter Gangl hielt eine Gratulationsansprache.“

Zwei Fotos im Band gehören dazu – der Hochzeitszug mit Musikkapelle und der singende Chor vor der Hochzeitstafel. Der Chronist verweist selbst darauf: „Bilder links!“

Und er setzt einen Satz daneben, der mehr über das Verhältnis der Vereine sagt als über die Hochzeit: „Wir hatten das Gefühl, daß Herr Gauchormeister sich zurückgesetzt fühlte, weil die Sängerrunde St. Marienkirchen in Taufkirchen sang.“ Ein Gefühl, kein Vorfall – der Band berichtet von keiner Verstimmung.

25. Juli 1965 - Professor Bubendorfer und das Sängerfest in Mittich

„Während des Sommers war heuer Herr Professor Franz Xaver Bubendorfer in St. Marienkirchen. Er ist ein hervorragender Musiker und hielt einige Proben mit unserem Männerchor.“

„Auch fuhren er und seine Gattin Hertha mit zum Sängerfest nach Mittich in Bayern (25. Juli). Beim Vereinsingen ernteten wir dort viel Applaus.“

Es war der letzte Sommer, den er in St. Marienkirchen verbrachte.

12. bis 13. September 1965 - Die Sängerfahrt nach Prag

„Den Höhepunkt des Vereinsjahres bildete unsere Sängerfahrt nach Prag am 12. u. 13. September.“

Die Fahrt ging „durch das Mühlviertel (Freistadt) und Budweis (Stadtjubiläum – Mittag) und nach Prag“. In Prag besichtigte die Runde „den Hradschin, Judenfriedhof, Lorettokirche, Karlsbrücke u. v. a.“; zurück ging es „über Pilsen und den Bayr. Wald“. Ankunft daheim: „um 2 Uhr früh am 3. Tag“.

Sieben Fotos im Band zeigen die Fahrt. Sie ist die einzige Reise dieses Jahrzehnts, für die es eine eigene Unterseite gibt.

Zur Sängerfahrt nach Prag >>

15. Oktober 1965 - Die Geburtstagsfeier zu dritt

„Am 15. Oktober feierten wir wie alljährlich ausgiebig die Geburtstage unseres Obmannes Karl Mayr, unseres Schriftführers Hans Lenzenweger und unseres Chorleiters Friedrich Gangl.“

„Alle waren hier, Essen und Trinken war frei. Dieses Jubelfest ist schon Tradition; trotzdem wird stets zuerst ausgiebig geprobt.“

„Heuer wurde schon vor der Probe, beim Gratulationschor für Herrn Obmann, dem Chorleiter ein netter Geschenkkorb überreicht, wofür sich dieser herzlich bedankte und sichtbar freute.“

10. November 1965 - Zu Gast bei der Liedertafel Reichersberg

„Am 10. November waren wir zu Gast bei der Liedertafel Reichersberg im Weinkeller. Eine feuchtfröhliche und sehr nette Begegnung mit der Reichersberger Liedertafel.“

19. November 1965 - Der Gesangsverein Suben zu Besuch

„Der Gesangsverein Suben besuchte uns am 19. November im Gasthaus Daller. Nach gemeinsamer Probe folgte ein gemütliches Beisammensein im Nebenzimmer mit fröhlichem Gesang von beiden Vereinen.“

12. Dezember 1965 - Der Tod von Professor Franz Xaver Bubendorfer

„Professor Franz Xaver Bubendorfer, der Lehrer unseres Chormeisters und Komponist unseres Vereinsmottos, ist am 12.12.65 in Wien gestorben.“

„Wir gedenken seiner bei der Probe am Freitag, den 17.12. mit Trauerchören. Am 2. Jänner 1966 feiern wir eine Gedenkmesse, bei der wir Weihnachtslieder in unserer Pfarrkirche singen. Wir werden diesem begabten Künstler und Freund unserer Sängerrunde ein ehrendes Andenken bewahren.“

Ob die Gedenkmesse am 2. Jänner 1966 wirklich gefeiert wurde, steht in keinem Band – der Band 1966 erwähnt sie nicht.

Auf derselben Seite klebt sein Porträt, und darunter der handgeschriebene Notenausschnitt des Vereinsmottos, signiert „Fr. X. Bubendorfer“: „Es klinge hell dem Inn entlang das deutsche Wort, der deutsche Sang!“ Es ist die einzige Notenfassung des Vereinsmottos, die in den Chronikbänden von 1948 bis 1971 vorkommt.